Entwicklung und Sozialisation

Der Säugling ist ein asoziales, unangepasstes und egozentrisches Wesen. Er kennt nur seine eigenen momentanen Bedürfnisse und bringt diese lautstark zum Ausdruck. Der erwachsene Mensch dagegen ist in der Lage, seine Bedürfnisse zurückzustellen und die Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen. Er kann sich veränderten Situationen anpassen. Er richtet sein Verhalten an allgemeinen Wertvorstellungen aus und übernimmt die verschiedensten Rollen in der Gesellschaft. Er kann Verantwortung für sich und seine Umgebung tragen. Dies alles muss der Säugling in einem langen Prozess erst lernen. Da sein Verhalten nicht durch Instinkte bestimmt wird, muss er alles lernen, was er zum Überleben in unserer Gesellschaft braucht. Auch Kultur wird nicht durch Vererbung weitergegeben, sondern muss von jedem Individuum erneut angeeignet werden. Dieser Lernvorgang wird durch Erziehung und Sozialisation beeinflusst.

 

Definitionen: Erziehung und Sozialisation

Erziehung ist bewusstes, planvolles, pädagogisches Handeln mit dem Ziel, einen anderen Menschen nachhaltig positiv zu beeinflussen, zu formen und zu prägen. Erziehung richtet sich nach Erziehungszielen.

Sozialisation ist der Prozess, durch den ein Individuum zum Mitglied einer Gesellschaft wird, indem es die gewünschten Einstellungen und Verhaltensweisen erlernt und übernimmt. Sozialisation beinhaltet neben der Erziehung auch unbewusste und unbeabsichtigte Vorgänge und soziale Gegebenheiten, die die Entwicklung des Menschen beeinflussen.

 

Anders ausgedrückt könnte man sagen, Sozialisation ist das Hineinwachsen in die umgebende Kultur durch Übernahme immer neuer Rollen. Ziel der Sozialisation ist es, den Menschen zu motivieren, die Regeln und Gepflogenheiten der Gesellschaft zu übernehmen und zu befolgen, und schließlich als seine eigenen zu akzeptieren (=Internalisierung, Verinnerlichung).

 

Primäre und sekundäre Sozialisation

Erziehung und Sozialisation werden vermittelt durch Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, die man auch "Sozialisationsinstanzen" oder "Erziehungsinstitutionen" nennt.
Dabei unterscheidet man zwischen primärer und sekundärer Sozialisation. Die primäre Sozialisation findet in der Familie statt. Die Familie ist die wichtigste und grundlegende Sozialisationsinstanz für den Menschen. Unter "sekundärer Sozialisation" fasst man alle Erziehungs- und Sozialisationseinflüsse zusammen, die außerhalb der Familie wirksam sind, Kindergarten, Schule, Freundeskreis, Beruf, Eheschließung, einschneidende Lebensereignisse, Medien, politische Strömungen, soziale Gegebenheiten..

 

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